Oscarnominiert und trotzdem auf die zweite Reihe abonniert. Das war lange Jahre das Schicksal von Schauspieler Don Cheadle. Weil er aber eben auch dort immer zu glänzen wusste, konnte er sich bei der Serie „House of Lies“ den Platz im Rampenlicht erarbeiten. So erhielt Cheadle die Hauptrolle des Marty Kaan, einem schlitzohrigen und nahezu skrupellosen Unternehmensberater, der die Kunden aufs Kreuz zu legen vermag und sie danach auch noch dazu bringt, ihm dafür zu danken.
Geboren als Donald Frank „Don“ Cheadle Jr. in Missouri war die Jugend des 47-Jährigen eher unstet: Die Familie zog oft um. So machte er seinen Highschoolabschluss schließlich in Colorado und studierte anschließend Schauspiel in Los Angeles. Wie viele Darsteller machte er danach eine Durststrecke durch und hoffte auf die Chance zum Durchbruch. Die kam 1992, als er eine der Hauptrollen in der Comedyserie „Golden Palace“, dem kurzlebigen Spin-off von „Golden Girls“ erhielt. Während die Serie nicht an den Erfolg des Originals anknüpfen konnte und nach einer Staffel endete, konnte sich Cheadle für eine weitere große Fernsehrolle empfehlen: Er kam zum damaligen Kritikerliebling „Picket Fences - Tatort Gartenzaun“ von David E. Kelley. Dort porträtierte er über zwei Jahre den Staatsanwalt John Littleton. Wie die meisten Figuren der Serie suchte er nach dem richtigen Weg zwischen Recht und Gerechtigkeit. Nach dem Ende dieser Serie sollte es fast zwei Jahrzehnte dauern, bis Cheadle wieder langfristig ins Fernsehen zurückkehrte.
In der Zwischenzeit war Don Cheadle im Kino ein viel beschäftigter Mann. Zu zahllosen Kassenschlagern trug er seinen Teil in Nebenrollen bei. Insbesondere mit Regisseur Steven Soderbergh arbeitete er vielfach zusammen, etwa als Gangster bei „Out of Sight“ oder in allen Teilen der „Ocean‘s Eleven“-Filmreihe. Aber auch in den oscarprämierten Ensemblefilmen „Traffic - Die Macht des Kartells“ und „L.A. Crash“ gehörte Cheadle zum Cast. Zuletzt war er mit dem zweiten Teil zu „Iron Man“ erfolgreich und wird auch im dritten Teil zu sehen sein.
Seine Chance, selbst im Rampenlicht zu stehen, erhielt Don Cheadle im Jahr 2004 veröffentlichten Bürgerkriegsdrama „Hotel Ruanda“, das sich mit den Vorgängen des Jahres 1994 in dem afrikanischen Land beschäftigt. Am Rande des Völkermordes erzählt der Film die Geschichte des Hotelmanagers Paul Rusesabagina, der zunächst seine selbst bedrohte Familie, danach knapp zwei Dutzend Waisenkinder und schließlich mehr als eintausend Menschen vor den mordenden Milizen in Sicherheit bringen kann. Im Verlauf von nur knapp einhundert Tagen sollten diesen eine Million Menschen zum Opfer fallen. Für seine Darstellung der Hauptfigur wurde Don Cheadle 2005 für einen Oscar nominiert.
Das nächste große Kapitel in Don Cheadles Berufsleben ist nun die Serie „House of Lies“. Darin übernimmt Cheadle die Rolle des schlitzohrigen Chefs einer kleinen Gruppe von Unternehmensberatern. Jede Woche machen sich er und sein Team auf in eine neue Stadt, um binnen weniger Tage den Betrieb dort möglichst eindrucksvoll auf den Kopf zu stellen - schließlich soll der Kunde später wissen, warum er so eine unglaublich hohe Rechnung bekommen hat. Dennoch kann das Team selten wirklich auf die Schnelle eine Idee haben, woran es in einer Firma krankt. So hören sie meist den dortigen Angestellten gut zu, um deren Ideen für Verbesserungen aufzugreifen und dann als eigene Leistung zu verkaufen. Das ist die Hauptaufgabe des stets charmanten Marty Kaan.
Da sein Team ständig unterwegs ist, befindet es sich auch meistens in einer gewissen Urlaubsmentalität: Ausrutscher und Seitensprünge haben fast nie Konsequenzen. Dazu kommt der Wettstreit mit den engsten Konkurrenten, für die etwa Martys Ex-Frau arbeitet.
Für sein Engagement im Kampf gegen die Gräueltaten im von einem Bürgerkrieg zerrissenen Darfur wurde Don Cheadle 2007 zusammen mit einigen Mitstreitern vom World Summit of Nobel Peace Laureates geehrt.




