Früher waren die Serien-Titelmelodien wahre Ohrwürmer. Ob „Dallas“ oder „Knight Rider“ – die meisten können sie heute noch mitsummen. Aber wohin ist...
Seit meiner Kindheit, teilweise sogar noch bevor ich an ihrem Inhalt interessiert war, hatte ich eine unbändige Faszination für den Vorspann von Fernsehserien: Die anderthalb bis zwei Minuten zu Beginn einer Episode, in der die „Zutaten" der Serie vorgestellt wurden: Die Handlungsidee, die Figuren, die Darstellernamen. Und dazu gab es meist eine eingängige Titelmelodie, die das Potential hatte, zum Ohrwurm zu werden. Wer kann nicht heute noch das Thema von „Dallas" oder „Knight Rider" vor sich hinsummen? Schaut man sich an, wieviel Abertausende von Treffern man erhält, wenn man bei YouTube nach „Vorspann", „Intro" oder „Opening Credits" sucht, dann dürfte klar sein, dass ich mit dieser Faszination nicht alleine bin.
Um so verwunderlicher ist, dass es den Vorspann klassischen Zuschnitts in aktuellen US-Serien kaum noch gibt. Nimmt man Produktionen wie „Lost" und „24" zum Beispiel, so ist der Vorspann dort zu einem wenige Sekunden langen Erkennungssignal - dem Titelemblem bzw. der Digitaluhr - zusammengeschmolzen. Und auch nördlich der USA sieht es kaum anders aus: In gerade mal zwölf Sekunden stellt die kanadische Actionserie „The Border" in, wenn auch zugegebenermaßen sehr atmosphärischen Bildern, ihr thematisches Umfeld vor. Und das wars. Die Schauspielernamen werden, wie auch bei vielen anderen Serien heute üblich, eingeblendet, während die Handlung schon läuft.
Geschuldet ist dies vor allem dem kommerziellen Druck der werbefinanzierten Sender, dem Umschaltimpuls der Zuschauer dadurch entgegenzuwirken, dass sie möglichst wenig - vermeintlichen - Leerlauf in ihren Serien präsentieren.
Deutlich entspannter können dagegen die Pay-TV-Sender mit dem Thema Vorspann umgehen: So gönnt z.B. der US-Kanal Showtime seiner Serie „Dexter" ein knapp zweiminütiges Intro, welches geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers an eine Serienkiller-Serie spielt und aus Bildern, die die Titelfigur bei nichts anderem als der morgendlichen Frühstückszubereitung zeigen, einen eigenen kleinen Thriller montiert. Was daran sehr gut sichtbar wird, ist vor allem der Trend weg vom Personen-, hin zum Konzept-Vorspann. Es geht beim Vorspann nicht mehr so sehr darum, dass die Figuren und ihre Darsteller vorgestellt werden. Vielmehr ist es für die Macher wichtig, Bilder zu finden, die die Idee der Serie in eine ausdrucksstarke und möglichst originelle Gestalt bringen: Der Vorspann der Chemielehrer-wird-Drogenhändler-Serie „Breaking Bad" zum Beispiel, in dem sich die Initialen des Serientitels aus dem - durch den Chemieunterricht noch wohlbekannten - Periodensystem zusammensetzen.
Nun ist gegen Konzept-Vorspänne ja absolut nichts einzuwenden. Wenn sie es denn einem ihrer Ahnen gleichtun, dem Vorspann des 80er Kult-Hits „Miami Vice", der statt der Darsteller den Handlungsort in den Mittelpunkt rückte - dabei aber auch neben den sehr sinnlichen und durchgestylten Bildern durch eine der genialsten Titelmelodien der Seriengeschichte glänzte. Vielleicht ist es also gar nicht so sehr der Vorspann selbst, als vielmehr das Lied zum Mitpfeifen, welches mir fehlt...