„Fuck“ - für manche Amerikaner ist dies ein ganz normales Wort der Alltagssprache, das als Kraftausdruck gar nicht negativ besetzt sein muss, wie z.B. in „fucking brillant“. Für andere ist es beredter Ausdruck einer immer weiter um sich greifenden Unmoral, der zum Schutz der Kinder Einhalt geboten werden muss.
Ein Gerichtsurteil in den USA hat nun die Auflagen etwas gelockert, denen die Free-TV-Sender in den Vereinigten Staaten unterliegen. Seit 2004 war es nämlich so, dass die amerikanische Medienaufsichtsbehörde FCC Sender auch dann mit Sanktionen belegt hat, wenn Nacktheit oder „unanständige“ Ausdrücke in Live-Sendungen vorkamen, selbst dann, wenn es sich dabei um Unfälle (wie die Entblößung von Janet Jacksons Brust während des Super-Bowls 2004) oder um spontane Gemütsäußerungen handelte, die die Sender nicht vorhersehen konnten. Entsprechend waren die Networks in den letzten Jahren gezwungen, Live-Sendungen mit einer Verzögerung um sieben Sekunden auszustrahlen, um etwaige Kraftausdrücke auszublenden.
Ein Berufungsgericht hat nun einer Klage des Senders FOX stattgegeben. Demnach verstoßen die Regeln der FCC gegen die in der amerikanischen Verfassung garantierte Redefreiheit. Für die TV-Serien der Networks wird sich trotzdem nichts ändern. Ausdrücke wie „Fuck“ oder der Blick auf weibliche Brüste bleiben Tabu, weil die Sender das konservative Spektrum der Zuschauer und Werbekunden nicht vergrätzen wollen.
Ganz anders sieht es dagegen bei den Serien aus, die im US-amerikanischen Kabelfernsehen gezeigt werden. In Serien wie „Dexter“ oder „Breaking Bad“ sind den Autoren keinerlei sprachliche Restriktionen auferlegt. Und dass Madeline Zima als frühreife Lolita dann und wann in „Californication“ blank zieht, gehört eindeutig zu den Attraktionen der Serie.

Der große Unterschied zu den Serien, die auf den Networks laufen: Das Kabelfernsehen unterliegt generell nicht der Regulation durch die FCC. Hintergrund dafür ist der Unterschied, den die US-Rechtssprechung zwischen öffentlich und privat macht. Die Networks, die ihre Programme terrestrisch ausstrahlen, nutzen dabei „public airwaves“, also Frequenzen, die nach amerikanischem Gesetz der Öffentlichkeit gehören - und deshalb auch von öffentlichen Organen kontrolliert werden können. Das Kabelfernsehen hingegen ist ein System, das auf Netzwerken beruht, die von privaten Unternehmen verlegt und von Privatkunden auf eigene Bestellung hin genutzt wird. Damit entfällt jegliche Grundlage für eine Regulation durch die FCC.
Außerdem müssen sich die Kabelsender auch weniger große Sorgen um Werbekunden und Zuschauer machen. In der Regel senden sie ohnehin für ein viel kleineres Publikum, das mit „Unanständigkeiten“ kein Problem hat. Wer HBO oder Showtime abonniert, weiß, worauf er sich einlässt. Ebenso die Werbekunden, die bei FX oder AMC ihre Spots schalten. Deshalb kann in Serien wie „Dexter“ oder „Californication“ auch weiter nach Lust und Laune geflucht werden.
Fucking brillant.