The Shield oder Über die Grenzen der Moral und Poesie

Veröffentlicht von Vladislav Tinchev. | November 19, 2009

The Shield oder Über die Grenzen der Moral und Poesie

Als vor Jahren The Shield zum ersten Mal über die US-Bildschirme flimmerte, regierten in der amerikanischen Fernsehlandschaft Produktionen wie The Sopranos, Six Feet Under, Sex and the City. Und dann kam The Shield, eine Show mit kleinem Budget - gewalttätig, schmutzig und ... gut! Eine der besten Cop-Serien aller Zeiten verschaffte den Zuschauern nicht nur intellektuelle Herausforderung, sondern auch Entertainment höchster Qualität. Die Show stellte unter Beweis, dass diese beiden Aspekte einander nicht ausschließen müssen. The Shield-Creator Shawn Ryan schickte seine Helden sieben Staffeln lang in die dreckigsten und gefährlichsten Bereiche menschlichen Seins. Und die Zuschauer feierten seine Anti-Helden, wie Vic Mackey, die die Welt in ihrer ganzen alltäglichen Brutalität, in ihrer Situationsethik der unmöglichen Entscheidungen verkörpern: "Do you think I'd let three random kids get killed in Chicago just to save my own?"

Das ist die Einstellung eines Cops, der noch im Piloten der Serie einen Kollegen kaltblütig erschießt, um die eigenen schmutzigen Spuren zu verwischen. Gleichzeitig putzt er buchstäblich Drogen- und Waffenhändler von der Straße weg, liebt seine Familie und ist loyal zu seinen Kollegen. Jedes Mal, wenn solche Cops wie Vic Mackey die sowieso als dünn dargestellte Linie zwischen Gut und Böse übertreten, müssten wir Zuschauer uns eigentlich verpflichtet fühlen, ihren Untergang zu wünschen. Tun wir aber nicht. Wir werden in ein Spiel der Situationsethik hinein gezogen: Immer wenn einer wie Vic Mackey es schafft, nicht entlarvt zu werden, verspüren wir tiefe Erleichterung und grenzenlose Zufriedenheit. Es ist nicht allein der Genuss der Grenzüberschreitung, die Serien wie „The Shield" dem Zuschauer bescheren, sondern es ist das Wechselbad der Gefühle, gekoppelt an extreme und lawinenartig aufgebaute Spannung, die sich in den einfachen Fragen entlädt: Kann ein ethisch und moralisch verwerfliches Verhalten, das Leben rettet, toleriert werden? Wann handelt es sich „nur" um eine Grenzüberschreitung, und wann ist man „ganz" auf der anderen Seite?

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