Die Renaissance der Klassiker - Warum uns Kojak, Crockett und Tubbs immer noch faszinieren

Veröffentlicht von Christian Junklewitz. | Juni 14, 2010

Da gibt es so viele Serien, die man noch nie gesehen hat. Aber oft entscheidet man sich für eine Wiederholung, die über die Jahre hinweg im TV rauf und runter gespielt wurde. Wie kommt das?

Gerne wird in diesem Zusammenhang auf ein Gefühl der Nostalgie verwiesen, das die Zuschauer ergreift. Die Sehnsucht danach, die Vergangenheit neu zu erleben. Die Möglichkeit, sich in eine andere Zeit zurückversetzen zu können, als man selbst noch jung war - und die betreffende Serie zum ersten Mal im Fernsehen sah. Sicherlich ist Nostalgie ein nicht unwesentlicher Faktor bei der Entscheidung für TV-Klassiker.

Doch es kommt noch etwas anderes hinzu: Denn Wiederholungen bieten einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber Erstausstrahlungen. Der Zuschauer weiß, dass er von ihnen nicht enttäuscht wird. Sie bieten eine Art von Erwartungssicherheit, die vor allem dann einen eigenen Unterhaltungswert darstellt, wenn man - nach einem viel zu langen Tag im Büro - einfach keine Lust hat, sich dem „Risiko“ einer möglicherweise unbefriedigenden neuen Serie auszusetzen.

Ideal ist dann eine Serie, von der man zwar weiß, dass sie gut ist, die man aber schon längere Zeit nicht mehr gesehen hat. Denn natürlich will man in der Regel auch bei einem TV-Klassiker nicht genau wissen, was in der Episode, die man sich da anschaut, im Einzelnen passiert.

Eine Gefahr bringen allerdings auch ältere Serien mit sich: Den Peinlichkeits-Faktor. Dieser kommt dann ins Spiel, wenn man eine Serie von früher schaut - und man sich auf einmal die unangenehme Frage stellt, was man an ihr bloß jemals gut gefunden hat. Manchmal nagt der Zahn der Zeit an einer TV-Produktion schließlich so sehr, dass sie Jahre später kaum noch genießbar ist.

Entsprechend wichtig ist es, Serien zu finden, die in der Lage sind, die Zeiten zu überdauern. Dazu gehören mit Sicherheit „Kojak“ und „Miami Vice“. Auf den ersten Blick: Zwei Serien, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite sehen wir Lt. Kojak (Telly Savalas) bei seinem „Einsatz in Mahattan“ inmitten grauer, trostloser Häuserschluchten gegen die alltägliche Kriminalität von New York ankämpfen. Auf der anderen Seite stehen die Undercover-Cops Crockett (Don Johnson) und Tubbs (Philip Michael Thomas), die vor der funkelnden Kulisse Miamis gegen die Drogenmafia ermitteln.

Und doch haben beide Serien mehr gemein, als es zunächst den Anschein hat. Sowohl „Kojak“ als auch „Miami Vice“ zeichnet ein starker Zeitbezug aus. Das Konzept zu „Kojak“ war das Ergebnis von Recherchen, die der Oscar prämierte Autor Abby Mann („Das Urteil von Nürnberg“, 1961), zu einem Polizeiskandal in New York vornahm. Zahlreiche Folgen von „Miami Vice“ basierten ebenfalls auf realen Kriminalfällen, die sich zu jener Zeit in Südflorida zutrugen. Das verlieh beiden Serien eine enorme Authentizität, die sich in der Kleidung, in der Musik, im Stil, ja in der ganzen Haltung, die die Serien transportierten, weiter fortsetzte. Kojak, der die Fassade des harten Polizisten mit einem Lolli durchbrach, war ebenso ein Kind seiner Zeit, wie die Ferrari fahrenden und Designer-Klamotten tragenden „MTV-Cops“.

Nicht trotz, sondern gerade wegen dieses Zeitbezugs - und dem damit einhergehenden Gefühl der Echtheit - haben „Kojak“ und „Miami Vice“ das Flair zeitloser Klassiker. Spannend erzählt, mit glaubwürdigen Figuren. Eine sichere Sache eben.

 

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