Hank Moody – Frauenfeind oder Supermann?
Er säuft, flucht, kifft, kokst und schläft sich durch mehrere Betten gleichzeitig, als gebe es kein Morgen. Dass Tochter Becca dabei im anderen Raum bleibt und das Foto der eigentlich-Lebensgefährtin Karen in der Schublade aufbewahrt, ist auch schon alles. Hank Moody ist einer, den die Frauen fürchten: Er kommt, kommt und geht wieder. Dass einer wie er - gespielt von David Duchovny - zur gleichen Dame zurückkehrt, ist selten. Er ist ein Nicht-Anrufer, ein Herzensbrecher, kein Zukunftsplaner und erst recht kein Häuslebauer. Eigentlich müsste man die Welt in „Californication" hassen, so abstoßend kann sie sein. Und Moody müsste man verteufeln, so ein frauenfeindliches Scheusal ist er. Oder nicht?

Nicht! Denn dann sind da die Momente, in denen man meinen könnte, einen größeren Frauenfreund als Duchovnys Moody habe es noch nicht gegeben: Wie er sich um die Erziehung seiner Tochter bemüht, egal in welch schlimmsten pubertären Sphären diese gerade schwebt, seine vom Drehbuch verordnete Geschicklichkeit unter der Bettdecke, wie charmant er selbst dann noch wirken kann, wenn er mit den übelsten Beleidigungen um sich wirft, oder wie er den Damen wohl dosierte Komplimente macht, wenn auch häufig auf seine gewohnt vulgäre Art und mit einer nicht so taktvollen Schlussnote („Als du gegangen bist, konnte ich die Laken nicht waschen, weil ich deinen Duft nicht verlieren wollte. Und deshalb ging es mir lange Zeit scheiße, weil ich aufgewacht bin und dich gerochen habe und dachte, du wärst da. Mein Herz wurde von Neuem gebrochen. ... Dann musste ich die Laken wegwerfen. Diese scharfe Starbucks-Tante hatte ihre verdammte Periode darauf.")
Es ist wohl eine Sache des Weltbilds, was man von Hank Moody hält: Ist man religiös , konservativ, ein Gutmensch, braver Romantiker, der an die wahre Liebe glaubt, überzeugter Monogamist und obendrein vollkommen humorlos, dann ist Hank Moody der Inbegriff des Bösen. Aber wenn man nur ein kleines bisschen unter die Scheusal-Oberfläche schaut, offenbart sich da ein gutherziger Kerl, der keinen Hehl daraus macht, dass er Frauen liebt - nur zu viele Frauen auf einmal. Ein Mistkerl wäre Mr. Moody, würde er seinen Betthäschen das Blaue vom Himmel und eine goldene Zukunft an seiner älter werdenden Seite versprechen.